Headline: Deutschlands G20-Präsidentschaft: Eine Chance für die globale Energiewende?

2016 hat China die G20-Präsidentschaft inne. Im September beschlossen die Staats- und Regierungschefs der 19 führenden Industrienationen und der EU in der ostchinesischen Stadt Hangzhou unter anderem verstärkte Anstrengungen im Klimaschutz. © UN Photo/Eskinder Debebe

Die G20-Staaten sind wichtige Akteure einer globalen Energiewende, denn sie sind für mehr als 70 Prozent der Energienachfrage und der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Sie sind jedoch auch eine heterogene Gruppe von Ländern, die unterschiedliche Standpunkte zu Energiefragen einnehmen. Welche gemeinsamen Grundlagen gibt es für eine globale Energiewende? Kann Deutschland seine G20-Präsidentschaft im kommenden Jahr nutzen, um die Energie-Agenda der G20 voranzubringen? Diese Fragen standen am 11. Oktober im Mittelpunkt eines Workshops, zu dem das IASS Experten aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und dem Privatsektor eingeladen hatte.

2016 hat China die G20-Präsidentschaft inne. Im September beschlossen die Staats- und Regierungschefs der 19 führenden Industrienationen und der EU in der ostchinesischen Stadt Hangzhou unter anderem verstärkte Anstrengungen im Klimaschutz. © UN Photo/Eskinder Debebe
2016 hat China die G20-Präsidentschaft inne. Im September beschlossen die Staats- und Regierungschefs der 19 führenden Industrienationen und der EU in der ostchinesischen Stadt Hangzhou unter anderem verstärkte Anstrengungen im Klimaschutz. © UN Photo/Eskinder Debebe

„Harte Entscheidungen notwendig“ für das Zwei-Grad-Ziel

„Letztes Jahr hat die internationale Gemeinschaft zwei wichtige Schritte unternommen, indem sie den Pariser Klimavertrag und die Ziele nachhaltiger Entwicklung verabschiedet hat. Allerdings wissen wir alle, dass es eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem erklärten Zwei-Grad-Ziel und den von den UN-Mitgliedsstaaten eingereichten Selbstverpflichtungen zur Emissionsreduktion gibt. Wenn wir das Zwei-Grad-Ziel erreichen wollen, sind im Energiebereich weltweit einige harte Entscheidungen notwendig“, sagte Sybille Röhrkasten vom IASS. Obwohl der Ausbau der Erneuerbaren voranschreite, werde derzeit noch 90 Prozent des Energieverbrauchs von konventionellen Energieträgern gedeckt.

José Schulz, Referatsleiter Energie- und Rohstoffaußenpolitik im Auswärtigen Amt, betonte, dass das Thema globale Energiewende im Zentrum der deutschen Außenpolitik stehe. Der weltweite Energiebedarf steige bis zum Jahr 2040 voraussichtlich um 37 Prozent. Wenn er nicht befriedigt werde, behindere dies die ökonomische und soziale Entwicklung der betroffenen Länder. Energieeffizienz und erneuerbare Energien könnten daher eine zentrale Rolle spielen. „Die G20 sollte ihre Kooperation in Bezug auf den Übergang zu nachhaltiger Energie stärken“, sagte Schulz. Um einen Beitrag zu einer globalen Energiewende zu leisten, hat das Auswärtige Amt gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Konferenzreihe „Berlin Energy Transition Dialogue“ ins Leben gerufen. Dabei treffen sich Entscheidungsträger aus aller Welt, um über Strategien für eine nachhaltige Energieversorgung zu beraten.

China setzt auf Green Finance, Japan auf Einspeisevergütungen

In kurzen Präsentationen zeigten Wissenschaftler die Besonderheiten der Energie-Strategien verschiedener G20-Länder auf. So setzt China stark auf „Green Finance“ und fördert private Investitionen in den Schutz der Umwelt, in erneuerbare Energien und Energieeffizienz sowie nachhaltige Transportsysteme. Argentinien will den noch geringen Anteil der Erneuerbaren an der Stromversorgung bis Ende 2017 auf 8 Prozent, bis 2025 dann auf 20 Prozent steigern, investiert aber auch stark in die Förderung von Schiefergas. Japan hat nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima eine Einspeisevergütung für Erneuerbare eingeführt.

Dass das Pariser Klimaabkommen weniger als ein Jahr nach seiner Aushandlung bereits von über 70 Staaten ratifiziert wurde und schon im November in Kraft treten wird, zeige einen breiten Konsens über die Notwendigkeit der Erreichung seiner Ziele und der damit einhergehenden Transformation auch des Energiesektors, sagte Vera Rodenhoff vom Bundesumweltministerium. Die Umsetzung der Pariser Ziele sei auch für die G20 eine wichtige Aufgabe. Die Regierungen müssten sich die Folgen einer Vernachlässigung der Klimaziele vor Augen halten – in Bezug auf die globale Erwärmung, aber auch in Bezug auf verlorene Investitionen in fossile Infrastruktur („stranded assets“).

„Der Workshop hat gezeigt, dass Deutschland mit seiner G20-Präsidentschaft im kommenden Jahr die große Chance hat, die nötige Dekarbonisierung von Energiesystemen im Rahmen der G20 weiter voranzutreiben. Erste Schritte wurden bereits von vergangenen G20-Präsidentschaften gemacht“, sagte Sonja Thielges vom IASS. Nur durch die Umsetzung bestehender Pläne und eine Steigerung der bisherigen Ambitionen der Länder im Bereich nachhaltige Energie sei es möglich, die Ziele von Paris zu erreichen.

Der Workshop ist Teil eines IASS-Projektes zur Energiepolitik der G20. Ende des Jahres veröffentlicht das Institut eine Studie mit umfassenden Analysen zu Energietrends und –prioritäten in den G20-Ländern.

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