Headline: Energiewende-Konflikte und Populismus: Zur Rolle lokaler Akteure

Welche Rolle spielen Akteure in Energiewende-Konflikten? Inwiefern müssen spezifische Akteurskonstellationen beachtet werden, um Konfliktlösungsstrategien zu finden? Welche Einstellungen, Interessenlagen und Gerechtigkeitsvorstellungen bei Stakeholdern und in der Bevölkerung spielen hierbei eine zu berücksichtigende Rolle. Die Studienergebnisse einer im Rahmen des DEMOKON-Forschungsprojektes durchgeführten deutschlandweiten vergleichenden Fallanalyse weisen darauf hin, dass Konfliktfälle in der Energiewende trotz vordergründiger Parallelen höchst unterschiedlich gelagert sind und die Präferenzen von Akteuren in jedem Einzelfall berücksichtigt und abgewogen werden müssen. Es hat sich gezeigt: Sowohl die Anerkennungs-, Prozess- als auch Verteilungsgerechtigkeit sind hierbei außerordentlich bedeutsam. Vertreter:innen betroffener Kommunen sollten aktiv mit Konflikten umgehen und Strategien entwickeln; eine passive Rolle ist nicht erfolgversprechend. Grundsätzlich gilt: Je mehr Beteiligung gewährt wird und Akteure sich in den Entscheidungsfindungsprozess einbringen können, desto besser ist es. Dies ist in vielen Anwendungsfällen der Energiewende jedoch schwer möglich, polarisierte Pro- und Contra-Lager sind eher die Regel als die Ausnahme. Wichtig ist daher die vermittelnde Rolle von neutralen Akteuren, die in polarisierten Konfliktfällen mediativ wirken können. Lokale Charakteristika sollten in den Diskursen angemessen widergespiegelt sein (z.B. ein von Windkraft betroffener Wald). Lokale Identitäten fußen häufig auf Ortsverbundenheiten und Heimatgefühle, auf deren Verletzung lokale Gemeinschaften empfindlich reagieren. Entsprechend sind (hoch)sensible Umgangsweisen mit den betroffenen Standorten und Schutzgütern erforderlich. Sie sollten bestenfalls neben Einbezug und Gehör sowie finanzieller Beteiligung (Bürgerenergie) auch Kompensation und andere Benefits für die Allgemeinheit bieten (z.B. Investitionen in öffentliche Einrichtungen und Infrastrukturen, lokale Stromtarife, Vergünstigungen), um möglichen Beeinträchtigungen, Benachteiligungen und Ungleichheiten entgegenzuwirken.

Publikationsjahr
2023
Publikationstyp
RIFS Studies
Zitation

Radtke, J. (2023). Energiewende-Konflikte und Populismus: Zur Rolle lokaler Akteure. RIFS Study, Juli 2023.

DOI
10.48481/rifs.2023.026
Links
https://publications.rifs-potsdam.de/rest/items/item_6003038_1/component/file_6…
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