Headline: Wie werden kommunale Verwaltungen fit für die sozial-ökologische Transformation?

Ein Workshop des Deutsch-Französischen Zukunftswerks
Städte stehen vor großen Transformationsprozessen, um Klimaneutralität und Resilienz zu erreichen. Deutsch-Französisches Zukunftswerk

Die lokale Wärmewende gestalten, öffentliche Räume an den Klimawandel anpassen oder die Mobilitätswende anstoßen – Städte stehen vor großen Transformationsprozessen, um Klimaneutralität und Resilienz zu erreichen. Im Deutsch-Französischen Zukunftswerk begleiten wir forschend Städte in Frankreich und Deutschland, die sich mit großen Ambitionen auf den Weg gemacht haben, diesen Wandel zu gestalten. In einer Potenzialanalyse haben wir die Verwaltungsprozesse, mit denen die Transformation gestaltet wird, genauer untersucht. Denn eine Frage unserer Projektpartner in den Kommunen begegnet uns sehr häufig und ganz unabhängig davon, ob es um Mobilität, Wärmeversorgung oder Klimaanpassung geht: Wie verbessern wir in der Verwaltung die fachübergreifende Zusammenarbeit, um schneller ins Handeln zu kommen?

Die Münchner Handlungsräume stärken agile Verwaltung

Die Landeshauptstadt München, eine unserer Partnerkommunen, entwickelte eine spannende Lösung für diese Frage – den Handlungsraumansatz. Handlungsräume sind Gebiete der Stadt, die sich demografisch, wirtschaftlich und ökologisch besonders dynamisch entwickeln. Hier ist ein hoher Handlungsbedarf der Stadt gefordert. Um diesen anzugehen, etabliert die Landeshauptstadt neue Formen der Zusammenarbeit abseits von klassischen administrativen Grenzen und fachlichen Hierarchien.

Die Handlungsraumkulisse zeigt die Stadtgebiete in München, die sich besonders dynamisch entwickeln.
Die Handlungsraumkulisse zeigt die Stadtgebiete in München, die sich besonders dynamisch entwickeln. Landeshauptstadt München

Über drei Jahre erprobt die Münchner Verwaltung bereits in drei Handlungsräumen dieses neue Instrument der Stadtentwicklungsplanung. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Stadtentwicklungsplanung haben wir die Erfahrungen der ersten Jahre angeschaut und ausgewertet. Wir haben Gespräche mit Mitarbeitenden in allen Bereichen der Verwaltung sowie mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und anderen lokalen Projektpartnern geführt. In einem Workshop kamen Mitarbeitende der Stadtverwaltung zusammen, die bereits in den Handlungsräumen mitwirken oder aufgrund ihrer Expertise mitwirken sollten. Nach einem Jahr der gemeinsamen Reflexion können wir nun unsere Ergebnisse vorstellen.

Transformationsprojekte fachübergreifend vorantreiben

Die Stärke der Handlungsräume zeigt sich an konkreten Projekten. Ein gutes Beispiel ist der  Grünspitz im Osten Münchens – eine dreieckige Freifläche mit altem Kastanienbestand. Die Landeshauptstadt etablierte seit 2014 zusammen mit einem Verein eine gemeinwohlorientierte Zwischennutzung. Der Verein sollte Anwohnende motivieren, sich den brachliegenden Platz anzueignen und Ideen für einen Umbau in eine Grünfläche zu sammeln. Als die Finanzierung der Zwischennutzung auszulaufen drohte, die geplante dauerhafte Umgestaltung aber noch viele Fragen aufwarf, drohte ein Stillstand des Projekts. Daher lud der Handlungsraummanager, in dessen Handlungsraum der Grünspitz liegt, zu einem Runden Tisch:

„Beim Thema Grünspitz, wo wirklich immer noch Fragen offen und viele Referate zu beteiligen sind, aber sich kein Referat hauptverantwortlich fühlt, da ist unsere Rolle, zu gucken, dass alle mitspielen und an den Tisch gehen.“

Am Runden Tisch konnten sich die städtischen Fachplanerinnen mit den lokalen Akteuren auf eine neue Übergangsfinanzierung einigen. Das kleine Beispiel illustriert, wie es in den Handlungsräumen gelingen kann, in einer fachlich stark ausdifferenzierten Verwaltung mit 40.000 Mitarbeitenden die Handlungswilligen abseits von Hierarchien zusammenzubringen und Transformationsprojekte voranzutreiben.

Grünspitz im Osten Münchens
Grünspitz im Osten Münchens. KulturVERSTRICKUNGEN e.V.

Das Zukunftswerk lernt gemeinsam mit Kommunen aus den lokalen Erfahrungen

Neben den Erfolgsbeispielen haben wir zusammen mit der Verwaltung auch dorthin geschaut, wo sich die Arbeit in den Handlungsräumen noch verbessern könnte, zum Beispiel durch die bessere Nutzung digitaler Tools. Wir haben kritisch geprüft, wie der Ansatz politisch und strukturell so unterstützt werden kann, dass er eine noch stärke Breitenwirkung erzielen kann. In einem Online-Dialog mit Verwaltungsmitarbeitenden der Städte Siegen, Lyon und dem südfranzösischen Pau zeigte sich zudem, dass die agile und flexible Zusammenarbeit in den Handlungsräumen tatsächliches Inspirationspotenzial für andere Städte in Deutschland und Frankreich hat.

Die RIFS Study zum Münchner Handlungsraumansatz illustriert, wie das Deutsch-Französische Zukunftswerk die Zusammenarbeit mit seinen Partnerkommunen gestaltet. Wir sind nah dran an den lokalen Transformationsprozessen und lernen in gemeinsamen Forschungs- und Dialogprozessen mit Praxisakteuren aus den lokalen Erfahrungen. In einem weiteren Schritt formulieren wir auf Basis dieser Lernerfahrungen Handlungsempfehlungen an die nationale Politik.

 

Hier lesen Sie die vollständige RIFS Study zum Handlungsraumansatz: https://publications.rifs-potsdam.de/pubman/item/item_6003155

Hier lesen Sie mehr zum Deutsch-Französischen Zukunftswerk und unseren Handlungsempfehlungen: https://df-zukunftswerk.eu

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